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Cannabisgetränke: Können sie den Alkoholkonsum verringern?

Freunde sitzen im Freien, trinken Getränke mit Hanfblatt-Logo, auf dem Tisch Orangenscheiben und Gläser.
In diesem Artikel
  1. Überraschendes Ergebnis: Manche Konsumenten von Cannabisgetränken trinken weniger Alkohol
  2. Weshalb Gesundheitsexperten genau hinsehen
  3. Von Verbot bis Regulierung: Länder gehen bei Cannabisgetränken unterschiedliche Wege
  4. Schadensminderung statt heroischer Abstinenz
  5. Alltagssituationen: Wo Cannabisgetränke passen könnten – und wo nicht

In Bars von Los Angeles bis London gelangt still und leise eine neue Art von „Getränk“ in die Hände der Menschen.

Statt mit Weingläsern anzustoßen oder Pints IPA zu trinken, greifen immer mehr Erwachsene zu Dosen und Flaschen mit Cannabiswirkstoffen. Das entfacht eine Gesundheitsdebatte, die weit über Lifestyle-Trends und Wellness-Marketing hinausgeht.

Überraschendes Ergebnis: Manche Konsumenten von Cannabisgetränken trinken weniger Alkohol

Forschende im Bereich Public Health befassen sich zunehmend intensiv mit Cannabisgetränken. Eine Anfang 2026 im Journal of Psychoactive Drugs veröffentlichte Studie der University at Buffalo in den USA untersuchte, ob solche Getränke bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten den Alkoholkonsum tatsächlich senken könnten.

Das Forschungsteam befragte 438 Erwachsene, die im vorangegangenen Jahr Cannabis konsumiert hatten. Rund ein Drittel gab an, zumindest einmal Cannabis in Getränkeform probiert zu haben – üblicherweise in vergleichsweise niedrigen Dosierungen von Cannabinoiden wie CBD und THC.

Auffällig war insbesondere der angegebene Alkoholkonsum. Bei jenen, die Cannabisgetränke in ihren Alltag integriert hatten, sank der selbst berichtete Konsum von durchschnittlich etwa sieben Getränken pro Woche auf ungefähr 3,3. Das bedeutet keine Abstinenz, ist aber eine relevante Verringerung für Menschen, die Alkohol nicht unbedingt vollständig aufgeben wollten.

Nutzer von Cannabisgetränken in der Studie berichteten, ihren wöchentlichen Alkoholkonsum ohne formelle Behandlung oder Abstinenzziele um mehr als die Hälfte gesenkt zu haben.

Personen, die Cannabis auf andere Weise nutzten, etwa durch Vapen oder Esswaren, gaben seltener an, Alkohol durch Cannabis ersetzt zu haben. Für das Team aus Buffalo lag der entscheidende Unterschied offenbar im Kontext: Cannabisgetränke passen in dieselben Situationen, in denen sonst üblicherweise Alkohol konsumiert wird.

Ob bei einer Grillfeier, einem Fest nach der Arbeit oder einem Abend zu Hause: Die Handlung bleibt nahezu gleich. Man öffnet eine Dose, gießt ein Getränk ins Glas und nimmt einen Schluck. Nur der Inhalt ist ein anderer. Gerade diese kleine Kontinuität könnte den Wechsel weniger einschneidend wirken lassen – und genau das interessiert Fachleute für Schadensminderung.

Weshalb Gesundheitsexperten genau hinsehen

Alkohol zählt weltweit weiterhin zu den schädlichsten legalen Substanzen. Er wird mit fast 200 Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter mehrere Krebsarten, Leberleiden, Herzprobleme und zahlreiche Verletzungen. Gesundheitskampagnen werben seit Jahren für weniger Konsum oder vollständigen Verzicht – mit unterschiedlichem Erfolg.

Die Forschenden hinter der Studie zu Cannabisgetränken behaupten nicht, eine Wunderalternative gefunden zu haben. Sie argumentieren jedoch, dass ein teilweiser Ersatz ein weiteres Mittel zur Verringerung von Schäden sein könnte – besonders für Menschen, für die völlige Abstinenz unrealistisch oder wenig attraktiv erscheint.

Wenn ein Teil des wöchentlichen Alkoholkonsums durch ein Cannabisgetränk mit niedriger Dosierung ersetzt wird, könnte das einige alkoholbedingte Risiken senken, bringt aber neue Risiken mit sich, die weiterhin sorgfältig untersucht werden müssen.

Ein Grund für das Interesse an Cannabisgetränken ist ihre soziale Anschlussfähigkeit. Anders als Tinkturen, Öle oder Vapes fügen sie sich in vertraute Rituale ein: ein Getränk nach der Arbeit, ein Samstagabend mit Freunden oder ein ruhiger Fernsehabend. Ihre Verpackungen ähneln oft Dosen von Craft-Bier oder Seltzer, wodurch der Austausch sozial unauffällig bleibt.

Die meisten in der US-Untersuchung betrachteten Produkte enthielten höchstens 10 Milligramm Cannabinoide pro Portion. Diese vergleichsweise geringe Dosis soll Entspannung auslösen, ohne eine starke Rauschwirkung hervorzurufen. Die Gestaltung folgt einem breiteren Trend der Cannabisbranche zu Produkten für längeren, kontrollierten Konsum mit wiederholbaren Effekten statt zu intensiven Rauschzuständen.

Was die Zahlen aussagen – und was nicht

Die Studie der University at Buffalo liefert nachdenklich stimmende Daten, ist aber mit wichtigen Einschränkungen verbunden. Die Teilnahme erfolgte freiwillig, weshalb die Stichprobe nicht für alle Cannabiskonsumenten steht. Zudem beruhen die Ergebnisse auf Selbstauskünften, die unzuverlässig sein können, und die Forschenden begleiteten die Teilnehmenden nicht über mehrere Jahre.

  • Die Studie zeigt lediglich einen Zusammenhang, keinen Beweis dafür, dass Cannabisgetränke den Rückgang des Alkoholkonsums verursacht haben.
  • Die Teilnehmenden konsumierten bereits Cannabis und waren keine Personen ohne vorherige Erfahrung mit der Substanz.
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterschieden sich, was sowohl die verfügbaren Produkte als auch ihre Verwendung beeinflusste.
  • Über die Langzeitfolgen eines regelmäßigen Konsums von Cannabisgetränken ist bislang weitgehend nichts bekannt.

Auch die Getränke selbst sind keineswegs einheitlich. Die Dosierungen unterscheiden sich, das Verhältnis von CBD zu THC variiert, und manche Produkte enthalten weitere aktive Inhaltsstoffe wie Koffein oder Pflanzenextrakte. Deshalb lassen sich Erkenntnisse aus einer bestimmten Markengruppe nur schwer auf die gesamte Kategorie übertragen.

Von Verbot bis Regulierung: Länder gehen bei Cannabisgetränken unterschiedliche Wege

Während sich die Regale in Nordamerika nach und nach mit Seltzern mit THC- und CBD-Zusatz füllen, bleiben europäische Regulierungsbehörden vorsichtig. In Frankreich etwa sind alle Getränke mit THC verboten. CBD-Getränke sind zwar erhältlich, unterliegen jedoch strengen Grenzen und einer fortlaufenden rechtlichen Prüfung. Das Argument ist einfach: Weshalb sollte ein weiterer Zugang zu psychoaktiven Substanzen geschaffen werden, wenn Alkohol bereits so große Schäden verursacht?

Befürworter von Cannabisgetränken halten dagegen, dass dieser Zugang längst existiert. Cannabis wird verbreitet konsumiert, oft in riskanteren Formen wie dem Rauchen und teilweise gemeinsam mit Tabak. Sie sehen Getränke als Möglichkeit, den Konsum in Richtung kontrollierter Dosierungen zu lenken und das Verbrennen von Pflanzenmaterial zu vermeiden, das eigene Risiken für die Atemwege birgt.

Substanz Rechtlicher Status (typisch) Wichtigste kurzfristige Risiken Wichtigste langfristige Bedenken
Alkohol In den meisten Ländern für Erwachsene legal Rauschzustand, Unfälle, Gewalt, akute Vergiftung Lebererkrankungen, Krebs, Herzerkrankungen, Abhängigkeit
THC (in Getränken) In einigen US-Bundesstaaten und Kanada legal; in weiten Teilen Europas verboten Angstzustände, eingeschränkte Koordination, Panik, unangenehme Rauscherlebnisse bei hohen Dosen Abhängigkeit bei manchen Konsumenten, mögliche psychische Probleme
CBD (in Getränken) Weit verbreitet erhältlich, aber uneinheitlich reguliert Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden bei hohen Dosen Begrenzte Datenlage; mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln

Strategen im Bereich Public Health stehen damit zwischen zwei unvollkommenen Realitäten: einer legalen, kulturell fest verankerten Substanz, die weltweit jährlich Hunderttausende Menschen tötet, und einem entstehenden Markt für Cannabisprodukte, dessen Langzeitfolgen noch ungewiss sind.

Schadensminderung statt heroischer Abstinenz

Die Debatte über Cannabisgetränke ist Teil eines umfassenderen Wandels in der Drogenpolitik. Statt jeden Konsum als Scheitern zu betrachten, richten viele Fachleute den Blick heute darauf, die durch Substanzen verursachten Schäden schrittweise und individuell zu verringern.

Wenn jemand beim Ausgehen viel trinkt, lösen zwei Seltzer mit niedrig dosiertem THC und ein alkoholfreies Getränk anstelle von rund 1,7 Litern Bier nicht jedes Problem. Es könnte jedoch das Risiko schwerer Kater, gewalttätiger Vorfälle oder Fahrens unter Beeinträchtigung verringern, wenn die Person ihren Rauschzustand besser einschätzen kann.

Die Kombination kann jedoch auch in die andere Richtung wirken. Alkohol und Cannabis gemeinsam zu konsumieren – manchmal als „Crossfading“ bezeichnet – kann die Beeinträchtigung verstärken. Menschen könnten unterschätzen, wie berauscht sie sind, besonders wenn das Cannabis in einem süßen, leicht trinkbaren Getränk enthalten ist, dessen Wirkung langsamer einsetzt als bei einem Zug an einem Vape-Pen.

Die Kombination von Alkohol und Cannabisgetränken kann stärkere und weniger vorhersehbare Wirkungen hervorrufen als der Konsum einer der beiden Substanzen allein, insbesondere bei unerfahrenen Nutzern.

Was Begriffe wie THC und CBD tatsächlich bedeuten

Für alle, die sich für diese Getränke interessieren, helfen einige grundlegende Begriffsbestimmungen:

  • THC (Tetrahydrocannabinol) ist das wichtigste psychoaktive Molekül in Cannabis. Es erzeugt den klassischen „Rausch“ und beeinflusst Stimmung, Wahrnehmung und Koordination.
  • CBD (Cannabidiol) verursacht für sich genommen keinen Rausch. Viele Menschen verbinden es mit Entspannung oder weniger Angst, auch wenn sich die Forschung dazu noch entwickelt.
  • Mikrodosierung bezeichnet den Konsum sehr kleiner THC-Mengen, typischerweise 2–5 mg, um milde Effekte ohne starke Beeinträchtigung zu erzielen.

Die meisten Cannabisgetränke, die als alltägliche Alternative zu Bier oder Wein vermarktet werden, enthalten pro Portion 2–10 mg THC und werden mitunter mit CBD kombiniert, um das Erlebnis abzumildern. Das unterscheidet sich deutlich von selbst gemachten Esswaren, bei denen die Dosierung stark schwanken kann.

Alltagssituationen: Wo Cannabisgetränke passen könnten – und wo nicht

Man stelle sich eine 32-jährige Berufstätige vor, die an einem Freitagabend gewöhnlich vier oder fünf alkoholische Getränke konsumiert. Sie möchte ihre Leber schonen und brutale Samstage vermeiden, fühlt sich aber noch nicht bereit, beim geselligen Trinken ganz aufzuhören. In einem Gebiet, in dem THC-Getränke legal sind, könnte sie zwei dieser Biere durch zwei 5-mg-THC-Seltzer und ein alkoholfreies Getränk ersetzen. Sie nimmt weiterhin am sozialen Ritual teil, senkt aber ihre Gesamtmenge an Alkohol deutlich.

Ein weiteres Beispiel wäre ein Universitätsstudent, der bereits Cannabis raucht und an Wochenenden exzessiv Alkohol trinkt. Einen Teil des Alkohols durch Cannabisgetränke zu ersetzen, könnte bestimmte Schäden wie Filmrisse oder aggressives Verhalten verringern. Andererseits könnte dadurch der gesamte Cannabiskonsum steigen und es schwieriger werden, Abhängigkeitsmuster zu erkennen – besonders, wenn beide Substanzen zusammen verwendet werden.

Gesundheitsfachkräfte warnen, dass bestimmte Gruppen Cannabisgetränke grundsätzlich meiden sollten: Jugendliche, Schwangere, Menschen mit einer Vorgeschichte von Psychosen oder schweren Herzerkrankungen sowie Personen, die Arzneimittel einnehmen, welche mit Cannabinoiden wechselwirken.

Cannabisgetränke könnten manchen Erwachsenen helfen, weniger Alkohol zu trinken, sind aber keine harmlose Limonade und sollten mit derselben Vorsicht behandelt werden wie jedes psychoaktive Produkt.

Vorerst bleiben Cannabisgetränke eine Nischenoption, über die kontrovers diskutiert wird und die zwischen Wellness-Trend und Experiment im Bereich Public Health angesiedelt ist. Ob sie sich zu einem verbreiteten Instrument gegen alkoholbedingte Schäden entwickeln, wird von strengerer Regulierung, klarerer Kennzeichnung und Langzeitstudien abhängen, die weit über frühe Selbstauskünfte hinausgehen.

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Magdalena Huber

Magdalena Huber ist Kaffeeexpertin und Food-Autorin aus Wien mit besonderem Fokus auf österreichische Kaffeehauskultur, nachhaltigen Genuss und kreative Mehlspeisen. Für cafekonfetti schreibt sie über Spezialitätenkaffee, gemütliche Café-Momente und inspirierende Ideen rund um Kaffee, Kuchen und feine Alltagsfreuden.

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