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Teebeutel und Kunststoffpartikel im Tee: Was Studien zeigen

Junger Mann sitzt am Tisch, betrachtet Tee in Glas mit Teebeutel, daneben offene Bücher und Lupe.
In diesem Artikel
  1. Die winzigen Partikel im Fokus der Forschung
  2. Kunststoff gelangt auf unterschiedlichen Wegen in Tee
  3. Warum Teebeutel besonders auffallen
  4. Die Partikelzahlen sind enorm
  5. Kunststoff zu messen ist komplizierter, als es klingt
  6. Chemikalien reisen möglicherweise mit
  7. Teepartikel und die menschliche Gesundheit
  8. Schlagzeilen mit Vorsicht einordnen

Tee zählt zu den beliebtesten Getränken weltweit. Milliarden Menschen bereiten ihn täglich zu, ohne weiter darüber nachzudenken, was neben dem Tee noch in ihrer Tasse landen könnte.

Beim Teekochen achten die meisten auf Ziehzeit und Wassertemperatur oder darauf, ob sie grünen oder schwarzen Tee bevorzugen.

Eine aktuelle Auswertung von 19 wissenschaftlichen Studien wirft jedoch eine Frage auf, die sich viele Teetrinkende wohl noch nie gestellt haben: Gelangen winzige Kunststoffpartikel mit in die Tasse?

Die Antwort ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Die Forschung deutet vielmehr darauf hin, dass Kunststoffpartikel auf verschiedenen Wegen in Tee gelangen können – und dass Teebeutel dabei eine grössere Rolle spielen könnten, als vielen bewusst ist.

Die winzigen Partikel im Fokus der Forschung

Die Auswertung befasste sich mit Mikroplastik und Nanoplastik, die zusammen als MNPs bezeichnet werden. Mikroplastik ist ungefähr zwischen einem Mikrometer und fünf Millimetern gross, während Nanoplastik kleiner als ein Mikrometer ist.

Ein menschliches Haar misst mehrere Dutzend Mikrometer in der Breite. Viele dieser Partikel sind daher wesentlich kleiner, als das Auge erkennen kann – und genau diese geringe Grösse macht das Thema rasch komplex.

Die winzigen Teilchen stammen nicht nur aus einer einzigen Quelle. Sie können aus Verpackungen, der Verarbeitung, Materialien beim Aufbrühen oder sogar aus der Luft rund um eine Probe während der Untersuchung kommen.

Kunststoff gelangt auf unterschiedlichen Wegen in Tee

Kalter Flaschentee, Bubble Tea und heiss aufgebrühter Tee können jeweils auf eigene Weise Kunststoff aufnehmen.

Bei Flaschentee können Partikel sowohl über das bei der Herstellung verwendete Wasser als auch über Flasche und Verschluss hineingelangen.

Bei Bubble Tea gibt es noch mehr Kontaktstellen – etwa Becher, Deckel, Trinkhalm, Wasser zum Mischen und weitere Zutaten.

Die Forschenden hinter der Auswertung führten kein eigenes neues Experiment durch. Stattdessen durchsuchten sie grosse wissenschaftliche Datenbanken, prüften Hunderte Veröffentlichungen und grenzten die Auswahl auf 19 verwertbare Studien ein, die diese Partikel in Teegetränken, Teebeuteln oder Teeverpackungen gemessen hatten.

Warum Teebeutel besonders auffallen

Eine Auswertung dazu, wie Teeverpackungen Kunststoff in heisse Getränke abgeben könnten, zeigte: Teebeutel waren bei heissem Tee die deutlichste Quelle.

Das überrascht viele, weil die Beutel oft wie Papier wirken. Dieser Eindruck kann allerdings täuschen.

Manche „Pyramiden“-Beutel bestehen aus Kunststoffgewebe, andere verbinden Pflanzenfasern mit Kunststoff. Bestimmte Zellulosebeutel enthalten zudem Polypropylen als Heisssiegelschicht, die die Nähte im heissen Wasser geschlossen hält.

Auch Beutel, die als „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ verkauft werden, sind nicht zwingend frei von Kunststoff. Bei einigen Tests lösten Forschende den Zelluloseanteil auf und fanden in bestimmten Produkten dennoch Kunststoffreste.

Die Partikelzahlen sind enorm

In einem Experiment berichteten Forschende, dass ein einzelner Kunststoff-Teebeutel unter den im Versuch verwendeten Aufbrüh- und Messbedingungen rund 14.7 Milliarden winzige Partikel freisetzte.

Eine andere Studie kam auf etwa 1.3 Milliarden Partikel pro Beutel.

Auch bei Beuteln aus dem Biokunststoff PLA stellten Forschende grosse freigesetzte Mengen fest. Die Werte lagen häufig unter jenen von Beuteln aus Kunststoffgewebe, waren aber nicht null.

Die Ergebnisse sind nicht immer direkt vergleichbar, weil Labore die Partikel nicht alle auf dieselbe Art erfassen. Ein Filter mit grösseren Poren hält grössere Stücke zurück, während kleinere hindurchgelangen können.

In der Auswertung reichten die verwendeten Filtergrössen von unter einem Mikrometer bis zu mehreren Dutzend Mikrometern. Schon diese Entscheidung kann die endgültige Anzahl erheblich verändern.

Kunststoff zu messen ist komplizierter, als es klingt

Winzige Teilchen in einem Getränk aufzuspüren, bedeutet nicht einfach, Tee durch einen Filter zu giessen und das Zurückgebliebene zu zählen. Forschende müssen zudem nachweisen, dass ein Partikel tatsächlich Kunststoff ist, und bestimmen, um welches Polymer es sich handelt.

Einige Verfahren eignen sich besser für grössere Partikel. Andere erreichen kleinere Grössenbereiche, bringen jedoch eigene Einschränkungen mit sich.

Verunreinigungen sind ein ständiges Problem. Fasern aus Kleidung, Partikel im Laborwasser, Kunststoffgeräte im Labor und Staub in der Luft können allesamt unbemerkt in Proben gelangen.

Eine auffällig hohe Zahl in einer Schlagzeile sollte Leserinnen und Leser daher innehalten lassen und zu einigen grundlegenden Fragen führen.

Welche Art von Teebeutel wurde untersucht? Entsprachen die Aufbrühbedingungen der tatsächlichen Teezubereitung im Alltag? Und wie klein durften Partikel sein, damit das Labor sie noch zuverlässig nachweisen konnte?

Chemikalien reisen möglicherweise mit

Die Auswertung hob noch einen weiteren Punkt hervor: Kunststoffe kommen nicht allein. Hersteller setzen Chemikalien ein, um Flexibilität, Farbe und Eigenschaften zu verändern, und geringe Rückstände aus der Produktion können im Material verbleiben.

Mehrere Studien fanden in Teeaufgüssen kunststoffbezogene Chemikalien, darunter Abbauprodukte, einige Weichmacher und Verbindungen vom Bisphenol-Typ.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, woher diese Chemikalien beim Aufbrühen stammen.

Heisses Wasser könnte Chemikalien aus dem intakten Beutel, aus abgespaltenen Partikeln oder durch Verunreinigungen während Verarbeitung und Zubereitung herauslösen. Die genauen Zusammenhänge sind derzeit noch nicht geklärt.

Teepartikel und die menschliche Gesundheit

Die Auswertung behauptet nicht, dass Partikel aus Teebeuteln Menschen automatisch schaden, und sie umfasste keine klinischen Studien mit Menschen.

Die wissenschaftliche Arbeit verwies jedoch auf frühe Laborhinweise. In einer Studie wurden kleine Wasserflöhe der Gattung Daphnia einer verdünnten Flüssigkeit ausgesetzt, die aus Nylon- und PET-Teebeuteln ausgelaugt war.

Die Forschenden fanden Partikel in den Tieren und berichteten bei höherer Belastung über auffällige Körpermerkmale und schwächeres Schwimmverhalten. Allerdings waren auch Metalle aus Teeblättern vorhanden.

Eine weitere Studie verwendete Modelle menschlicher Darmzellen und untersuchte PLA-Partikel aus Biokunststoff-Teebeuteln.

Die Zellen wechselwirkten mit den Partikeln oder nahmen sie auf. In kurzen Tests zeigten sich bei den geprüften Konzentrationen jedoch weder ein ausgeprägtes Zellsterben noch offensichtliche strukturelle Schäden.

Schlagzeilen mit Vorsicht einordnen

Ja, eine Tasse Tee kann mehr als nur Tee enthalten. Die richtige Schlussfolgerung ist aber nicht Panik, sondern Einordnung.

Wenn Sie lesen, dass Teebeutel Milliarden von Kunststoffpartikeln freisetzen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Erst die Details zeigen, was diese Zahl tatsächlich aussagt.

Tee bleibt Tee. Doch Teebeutel, Flasche, Becher und die Methoden im Labor prägen alle das Gesamtbild. Daran sollte man denken, wenn der Wasserkocher das nächste Mal aufheizt.

Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift Food Chemistry.

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Magdalena Huber

Magdalena Huber ist Kaffeeexpertin und Food-Autorin aus Wien mit besonderem Fokus auf österreichische Kaffeehauskultur, nachhaltigen Genuss und kreative Mehlspeisen. Für cafekonfetti schreibt sie über Spezialitätenkaffee, gemütliche Café-Momente und inspirierende Ideen rund um Kaffee, Kuchen und feine Alltagsfreuden.

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