Eine neue Untersuchung von 148 Thunfischkonserven aus verschiedenen europäischen Staaten kommt zu einem klaren Ergebnis: Quecksilber war in jeder getesteten Probe nachweisbar. Einige Dosen enthielten sogar deutlich mehr davon, als Ernährungsexperten erwarten würden. Eine Ernährungsberaterin nennt jetzt einen einfachen Trick für den Einkauf, mit dem Konsumentinnen und Konsumenten ihre Belastung merklich verringern können – ohne ihren bevorzugten Fisch ganz vom Speiseplan streichen zu müssen.
Warum Thunfisch aus der Dose viel Quecksilber speichert
Quecksilber gelangt unter anderem durch Industrie, Kohlekraftwerke und weitere Quellen in Flüsse, Seen und Meere. Im Wasser wird es in eine organische Form umgewandelt, die sich im Körper von Fischen ansammelt. Mit zunehmender Größe und höherem Alter eines Fisches steigt auch die Menge, die sich in seinem Gewebe ablagert.
Thunfische befinden sich weit oben in der Nahrungskette. Sie ernähren sich von vielen kleineren Fischen, die bereits mit Quecksilber belastet sein können. Daraus ergibt sich das zentrale Problem:
- kleine Fische mit kurzer Lebensdauer: in der Regel niedrige Quecksilberwerte
- große, langlebige Raubfische wie Thun: wesentlich höhere Werte
Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Höchstwerte für Thunfisch deutlich höher angesetzt sind als für zahlreiche andere Fischarten. Für die meisten Speisefische gilt ein Grenzwert von 0,3 Milligramm Quecksilber je Kilogramm, bei Thunfisch sind hingegen bis zu 1 Milligramm pro Kilogramm zulässig – also mehr als das Dreifache. In der Untersuchung lag mehr als die Hälfte der Dosen über dem strengeren Wert von 0,3 mg/kg, und etwa jede zehnte Dose überschritt sogar 1 mg/kg.
Neben dem Schwermetall ist auch der Salzanteil relevant: Etwa 1,5 Gramm Salz je 100 Gramm Thunfisch können dazu führen, dass eine kleine Dose rasch ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge abdeckt.
Die Thunfisch-Art entscheidet: Welche Sorte besser abschneidet
Thunfisch ist nicht automatisch gleich Thunfisch. Die Angaben auf der Konserve können unterschiedliche Arten bezeichnen, die sich bei Größe, Lebensdauer und folglich auch bei der Belastung mit Schwermetallen deutlich voneinander unterscheiden.
| Art / Handelsname | Typische Größe / Alter | Tendenz Quecksilbergehalt |
|---|---|---|
| Listao (Skipjack, häufig nur „Thun“) | kleiner, kurzlebig | um 0,2 mg/kg, eher niedriger |
| Gelbflossen-Thun (Albacore, oft „heller Thun“ oder „Thun in Stücken“) | größer, älter | meist zwei- bis dreimal höher |
| Weißer Thun (Germon) | großer Räuber | ebenfalls deutlich erhöht |
Auswertungen zeigen, dass Konserven aus Listao-Thun im Durchschnitt klar niedrigere Werte aufweisen. Produkte mit Gelbflossen-Thun oder weißem Thun erreichen dagegen deutlich höhere Konzentrationen, da diese Tiere im Meer länger Gelegenheit haben, Schwermetalle einzulagern.
„Wer regelmäßig Thunfisch aus der Dose isst, sollte gezielt zu Sorten aus kleineren Arten greifen – auf Dauer macht das für die persönliche Belastung einen spürbaren Unterschied.“
Der Supermarkt-Trick für Thunfisch: Auf das richtige Wort am Etikett achten
Die in Medien zitierte Ernährungsberaterin empfiehlt einen einfachen Tipp, der sich beim Einkauf innerhalb weniger Sekunden umsetzen lässt. Entscheidend ist, nicht bloss Marke und Preis zu beachten, sondern die genaue Artenbezeichnung auf der Rückseite oder unter dem Produktnamen zu kontrollieren.
Darauf sollten Sie bei der Thunfischdose achten
- Nach der Art Ausschau halten: Findet sich „Listao“ oder „Skipjack“ auf der Dose, ist das meistens die günstigere Wahl.
- Unklare Bezeichnungen vermeiden: Angaben wie „heller Thunfisch“, „Thun in Stücken“ oder lediglich „Thunfisch“ ohne präzise Art können auf grössere Arten hinweisen.
- Die Zutatenliste prüfen: Im Kleingedruckten führen viele Hersteller die wissenschaftliche Artbezeichnung an – wer genau hinsieht, kann gezielt auswählen.
- Nicht immer nur dieselbe Marke kaufen: Wer unterschiedliche Marken ausprobiert, entdeckt oft ein Produkt, das konsequent kleinere Arten verwendet.
Die wichtigste Botschaft der Expertin lautet: Wählen Sie bevorzugt Dosen, die Fleisch kleinerer Thunarten enthalten. Diese weisen durchschnittlich weniger Schwermetalle auf und eignen sich besser für Menschen, die ein- oder mehrmals pro Woche dazu greifen.
Welche Fischmenge noch als unbedenklich gilt
Gesundheitsbehörden weisen regelmässig darauf hin, dass Fisch weiterhin ein wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung ist. Er liefert Omega-3-Fettsäuren, hochwertiges Eiweiss, Vitamin D, Jod und Selen. Besonders das Herz-Kreislauf-System profitiert davon, wenn Fisch einen Teil von Wurst und rotem Fleisch ersetzt.
Viele Fachleute raten dazu, ungefähr zwei Fischmahlzeiten pro Woche einzuplanen – idealerweise:
- einmal fettreichen Fisch wie Lachs, Sardine, Makrele oder Hering
- einmal eher mageren Fisch wie Kabeljau, Seelachs, Schellfisch oder Scholle
Wer sich an dieser Menge orientiert und die Fischarten laufend abwechselt, verringert das Risiko einer zu hohen Belastung mit einem bestimmten Schadstoff. Kritisch wird es vor allem dann, wenn über längere Zeit sehr häufig dieselbe stark belastete Art gegessen wird – etwa grosse Portionen Thunfisch, Schwertfisch oder Hai mehrmals wöchentlich.
Besondere Vorsicht bei Schwangeren und kleinen Kindern
Quecksilber kann insbesondere das Nervensystem beeinträchtigen. Ungeborene Kinder und Kleinkinder reagieren darauf deutlich sensibler als Erwachsene. Für bestimmte Gruppen gelten daher strengere Empfehlungen.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
- Schwangere
- Stillende
- Kinder unter drei Jahren
Für diese Gruppen wird in vielen Leitlinien Folgendes empfohlen:
- Grosse Raubfische wie Thunfisch nur selten verzehren, möglichst nicht aus Wildfang oder nur in kleinen Mengen.
- Stark belastete Arten wie Schwertfisch, bestimmte Haiarten, Marlin oder grosse Rochen vollständig meiden.
- Stattdessen kleine fettreiche Fische wie Sardinen, Hering oder kleine Makrelen wählen.
„Je kleiner der Fisch auf dem Teller, desto geringer fällt im Regelfall die Schwermetallbelastung aus – dieser einfache Merksatz hilft gerade werdenden Eltern bei der Auswahl.“
Praktische Alternativen zur täglichen Thunfischdose
Viele Menschen wählen Konserven, weil sie preiswert, lange haltbar und rasch verfügbar sind. Dennoch lässt sich ein Teil des Thunfischkonsums unkompliziert ersetzen, ohne dass der Speiseplan darunter leidet.
- Sandwich-Füllung: Anstelle von Thunfisch mit Mayonnaise passen Hummus, Eieraufstrich, Linsencreme oder Makrele in Tomatensauce.
- Schnelle Pasta: Tomatensauce mit Sardinen oder Räucherlachs lässt sich gut mit Spinat oder Zucchini kombinieren.
- Salate: Gekochte Eier, Kichererbsen, Bohnen oder Feta liefern ebenfalls Eiweiss, ohne ein Schwermetallrisiko.
- Vorratsschrank: Statt mehrere Thunfischreserven zu lagern, können Dosen mit Makrele, Hering oder Sardinen bevorratet werden.
Wer Thunfisch gerne isst, muss nicht vollständig darauf verzichten. Sinnvoll ist ein ausgewogener Mittelweg: die Menge beschränken, die Art bewusst wählen und nicht Woche für Woche mehrere Dosen einplanen.
Welche Folgen Quecksilber im Körper haben kann
Nach dem Verzehr gelangt Quecksilber über den Darm in den Blutkreislauf und kann sich im Gewebe ablagern, besonders im Gehirn. Eine langfristig erhöhte Aufnahme kann beispielsweise Konzentrationsprobleme, Einschränkungen der Feinmotorik oder Entwicklungsverzögerungen bei Kindern verursachen. Für gesunde Erwachsene, die nur gelegentlich Thunfisch essen, bleibt das Risiko überschaubar. Wer jedoch häufig belasteten Fisch verzehrt, erhöht die persönliche Belastung deutlich.
Die gute Nachricht ist: Wer seinen Fischkonsum etwas verändert, regelmässig kleinere Arten auswählt und nicht täglich dieselben Sorten isst, kann die Aufnahme von Schwermetallen merklich senken, ohne auf die positiven Eigenschaften von Fisch verzichten zu müssen.
Worauf Konsumentinnen und Konsumenten künftig achten können
Die genaue Fischart wird von Herstellern bislang oft nur im Kleingedruckten genannt. Wer bewusster einkauft, setzt mit dem eigenen Kaufverhalten ein Signal an die Branche. Bevorzugen mehr Menschen gezielt Konserven aus kleineren Arten, steigt der Druck auf Unternehmen, ihre Produkte eindeutiger zu kennzeichnen und häufiger weniger belastete Fische einzusetzen.
Für Konsumentinnen und Konsumenten bleibt die Verbindung aus gesundem Menschenverstand und einem kurzen Blick auf das Etikett der beste Schutz: Fisch ja, aber massvoll und abwechslungsreich – und beim Griff zur Dose mit besonderer Aufmerksamkeit für die Art, die tatsächlich in der Konserve steckt.






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