In ganz Frankreich bereitet eine der größten Supermarktketten des Landes eher unauffällig eine umfassende Neugestaltung des Einkaufserlebnisses in ihren Filialen vor.
Carrefour führt mehrere digitale Neuerungen ein, die den Einkauf für Kundinnen und Kunden angenehmer und die Arbeit für Beschäftigte weniger mühsam machen sollen – ohne dabei das vertraute, lokale Filialgefühl zu verlieren, das vielen Stammkundinnen und Stammkunden wichtig ist.
Carrefours schrittweiser, aber entschlossener Weg zu intelligenteren Märkten
Carrefour hat bestätigt, dass eine neue Generation von Filialtechnologie, die gemeinsam mit dem französischen Handels-Technologiespezialisten Vusion entwickelt wurde, in den kommenden Jahren von Pilotstandorten auf einen breiteren Einsatz ausgeweitet wird.
Statt eines einzigen großen und einschneidenden Starts setzt der Konzern auf eine stufenweise Einführung. Die neuen Systeme werden zunächst in wenigen Supermärkten erprobt, angepasst und erst dann weiter ausgerollt, wenn sie nachweislich klare Vorteile bringen.
„Carrefours Strategie: Die Filiale modernisieren, nicht ersetzen, indem digitale Werkzeuge dort eingesetzt werden, wo sie alltägliche Probleme lösen.“
Das übergeordnete Ziel ist unkompliziert: Zeitaufwendige Tätigkeiten in den Gängen und Lagerräumen sollen reduziert werden, damit sich die Mitarbeitenden stärker um Kundinnen und Kunden kümmern können. Zugleich sollen grundlegende Dinge – etwa ein Produkt zu finden oder dem am Regal angegebenen Preis zu vertrauen – deutlich weniger frustrierend werden.
Drei zentrale Bereiche: Preise, Warenbestand und Click & Collect
Die geplanten Neuerungen konzentrieren sich auf drei Kernbereiche, die beinahe jeden Einkauf betreffen.
Preisgenauigkeit direkt am Regal
Eine der spürbarsten Veränderungen betrifft die Preisauszeichnung. Carrefour setzt auf digitale Lösungen, wahrscheinlich auch auf elektronische Regaletiketten, um die Abweichung zwischen dem Preis am Regal und jenem an der Kassa zu verringern.
- Preise können im gesamten Markt nahezu in Echtzeit aktualisiert werden.
- Aktionen beginnen und enden genau zum vorgesehenen Zeitpunkt.
- Fehler durch manuell ausgetauschte Etiketten werden deutlich seltener.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das weniger unangenehme Überraschungen an der Kassa und weniger Diskussionen mit dem Kundenservice über falsch ausgezeichnete Waren.
Leere Regale schneller erkennen
Nicht verfügbare Produkte zählen zu den größten Ärgernissen beim Supermarkteinkauf. Die neuen Systeme von Carrefour sollen Lücken im Regal wesentlich rascher erkennen, indem Daten darauf hinweisen, wo ein Artikel stehen sollte, aber fehlt.
Das Personal kann anschließend gezielt zu den prioritären Bereichen geschickt werden, anstatt die Gänge ohne klare Richtung abzugehen. Dadurch wird das Nachfüllen beschleunigt und die Zeit verkürzt, in der ein Regal leer bleibt – besonders bei schnell nachgefragten Artikeln wie Milch, Mehl oder Babyprodukten.
„Das Ziel ist, dass ein Artikel, der in der App oder auf dem Regaletikett als ‚verfügbar‘ angezeigt wird, auch tatsächlich vorhanden ist.“
Effizientere Drive- und Click-&-Collect-Bestellungen
Auch der Drive-Service von Carrefour, bei dem Kundinnen und Kunden online bestellen und ihre Einkäufe beim Auto abholen, steht im Mittelpunkt des Vorhabens. Dieselben digitalen Werkzeuge, die den Warenbestand im Markt präziser sichtbar machen, können Mitarbeitende auf dem schnellsten Weg durch die Filiale beim Zusammenstellen von Bestellungen leiten.
Das kann kürzere Wartezeiten am Parkplatz sowie weniger fehlende Artikel oder kurzfristige Ersatzprodukte bedeuten. Für Menschen, die ihren Wocheneinkauf regelmäßig über Drive erledigen, sind diese kleinen Verbesserungen bei Tempo und Verlässlichkeit relevant.
Schrittweise Einführung statt überstürztem Technik-Einsatz
Das Management von Carrefour will offenbar den kühlen, überautomatisierten Eindruck vermeiden, den manche Kundinnen und Kunden mit „Supermärkten der Zukunft“ verbinden. Jede neue Funktion wird an Pilotstandorten getestet, an denen Daten und Rückmeldungen ausführlich gesammelt werden können.
Falls ein Werkzeug Arbeitsabläufe für Beschäftigte verkompliziert oder Kundinnen und Kunden verwirrt, kann es überarbeitet werden, bevor es an anderen Standorten zum Einsatz kommt. Das Unternehmen plant zudem ausreichend Zeit für Schulungen ein, damit sich die Mitarbeitenden in den Filialen weder überfordert noch durch Maschinen ersetzt fühlen.
„Die Kette will Technologie, die menschlichen Kontakt unterstützt, und keine Technologie, die einer einfachen Frage im Regal im Weg steht.“
Dieser bedachte Ansatz dürfte die Umgestaltung im Alltag weniger auffällig machen, dafür aber nachhaltiger. Stammkundinnen und Stammkunden werden wahrscheinlich eher weniger Fehler und reibungslosere Einkäufe bemerken als auffällige neue Geräte.
Was sich für Kundinnen und Kunden im Markt verändert
Für die meisten Kundinnen und Kunden wird sich die Umstellung weniger wie eine Revolution anfühlen, sondern eher wie eine Reihe kleiner Verbesserungen, die sich nach und nach summieren.
| Bereich des Einkaufs | Heute | Mit den neuen Werkzeugen |
|---|---|---|
| Preise am Regal | Gelegentliche Abweichungen, verspätete Aktionsänderungen | Einheitlichere Preise, Aktionen werden rechtzeitig aktualisiert |
| Warenverfügbarkeit | Leere Stellen bleiben mitunter stundenlang unbemerkt | Fehlende Artikel werden schneller erkannt und nachgefüllt |
| Drive-Bestellungen | Unterschiedliche Vorbereitungszeiten, Risiko von Ersatzartikeln | Verlässlichere Zusammenstellung, bessere Bestandsverfolgung |
| Kontakt mit dem Personal | Mitarbeitende sind mit wenig wertschöpfenden Aufgaben beschäftigt | Mehr Zeit für Beratung, Orientierung und Service |
Stammkundinnen und Stammkunden werden vielleicht weiterhin ihre vertraute Marktleitung oder Kassakraft sehen. Diese Beschäftigten sollten jedoch weniger Zeit damit verbringen müssen, Etiketten händisch zu aktualisieren oder immer wieder den Bestand zu kontrollieren.
Warum auch das Personal von der Umstellung profitieren kann
Auf der anderen Seite der Kassa ist der Einsatz ebenso hoch. Mitarbeitende in Supermärkten verbringen überraschend viel Zeit mit stark wiederkehrenden Arbeiten, die kaum Einschätzungsvermögen erfordern: Etiketten drucken, Regallücken prüfen oder Warenbereiche erfassen.
Digitale Systeme können einen großen Teil dieser Arbeit automatisieren oder gezielt steuern. Dadurch entsteht mehr Zeit für Aufgaben, bei denen menschliches Handeln tatsächlich nötig ist – etwa bei der Beratung einer Kundin oder eines Kunden mit Allergien, beim Bearbeiten einer Beschwerde oder beim übersichtlicheren Gestalten einer Warenpräsentation.
„Durch die Verringerung wenig qualifizierter Wiederholungsarbeit hofft Carrefour, Tätigkeiten in den Filialen etwas interessanter und stärker serviceorientiert zu machen.“
Das kann zudem körperliche Belastungen verringern. Wenn Mitarbeitende genau wissen, wohin sie zum Nachfüllen oder Kommissionieren gehen müssen, lassen sich unnötige Wege und manuelles Hantieren reduzieren. In einem körperlich fordernden Handelsberuf wirkt sich das langfristig auf die Gesundheit aus.
Menschlicher Kontakt im stärker digitalisierten Carrefour-Supermarkt
Zu den erklärten Zielen von Carrefour gehört es, trotz wachsender Zahl von Bildschirmen und Sensoren im Hintergrund eine freundliche, zugängliche Atmosphäre zu bewahren. Dafür investiert das Unternehmen nicht nur in Technologie, sondern auch in die Schulung der Beschäftigten im Umgang damit.
Die Werkzeuge sollen Arbeitskräfte nicht ersetzen, sondern sie bei Entscheidungen unterstützen: Sie zeigen etwa, welcher Gang Aufmerksamkeit benötigt, welcher Preis überprüft werden muss oder welche Online-Bestellung verspätet ist. Die Mitarbeitenden bleiben jene Personen, die handeln, erklären und anpassen.
Für Kundinnen und Kunden, die einem vollständigen Selbstbedienungsmodell skeptisch gegenüberstehen, ist dieser Unterschied entscheidend. Ein Markt, in dem Technologie im Hintergrund für bessere Abläufe sorgt, wird wesentlich leichter akzeptiert als ein Geschäft, das menschlichen Kontakt offenbar gezielt aus dem System entfernt.
Was die Carrefour-Neuerungen für den Handel insgesamt bedeuten
Der Schritt von Carrefour passt zu einem breiteren Trend im europäischen und US-amerikanischen Einzelhandel: Supermärkte entwickeln sich zu teildigitalen Umgebungen, selbst wenn sie an der Oberfläche weiterhin vertraut wirken.
Auch Konkurrenten wie Lidl und E.Leclerc testen neue Formate und Werkzeuge – von überarbeiteten Filialkonzepten bis hin zu Produktlinien, die auf stark steigende Zutatenkosten reagieren. Der Preiswettbewerb bleibt intensiv, doch der Wettbewerb um Komfort und Zuverlässigkeit holt rasch auf.
Für Kundinnen und Kunden kann dieser Wettlauf echte Vorteile bringen – vorausgesetzt, Datenschutz und Datennutzung werden sorgfältig geregelt und das Personal wird während der Umstellungen nicht bis an seine Belastungsgrenze gedrängt.
Wie ein typischer Einkauf bei Carrefour in einigen Jahren aussehen könnte
Stellen wir uns einen Wocheneinkauf bei Carrefour in naher Zukunft vor. Noch vor dem Verlassen des Hauses prüfen Sie die App, die Ihnen anzeigt, dass Ihre übliche Pastamarke im örtlichen Markt verfügbar ist. Bei Ihrer Ankunft stimmt der Preis am Regal exakt mit dem online angezeigten Preis überein, bis auf den Cent.
Mitten in Ihrer Einkaufsliste finden Sie eine bestimmte Sauce nicht. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter prüft ein Handgerät und sieht, dass das letzte Glas zehn Minuten zuvor verkauft wurde und die nächste Lieferung am selben Nachmittag eintrifft. Sie wählen sofort eine Alternative, statt ohne Ziel weiterzusuchen.
Hätten Sie sich stattdessen für Click & Collect entschieden, wäre Ihre Bestellung über eine optimierte Route zusammengestellt worden. Zudem gäbe es Hinweise, falls ein Produkt vor Ihrem Abholzeitfenster ausverkauft wäre. Sie verbringen weniger Zeit wartend am Parkplatz und merken zu Hause mit geringerer Wahrscheinlichkeit, dass die Hälfte Ihres Mittagessens fehlt.
Wichtige Begriffe und die weniger sichtbaren Folgen der Technologie
Zwei Ausdrücke werden im Zuge der Ausweitung dieser Projekte häufiger auftauchen. „Elektronische Regaletiketten“ sind kleine digitale Bildschirme, die Papier-Preisschilder ersetzen. Sie lassen sich zentral aktualisieren, was Druck- und Papierverbrauch verringert, erfordern jedoch zugleich eine erhebliche Anfangsinvestition.
„Bestandstransparenz in Echtzeit“ bezeichnet Systeme, die möglichst genau bis auf einzelne Einheiten erfassen sollen, was sich im Regal, im Lager oder in einer Click-&-Collect-Bestellung befindet. Dieses Maß an Genauigkeit zu erreichen, ist anspruchsvoll: Es hängt nicht allein von der Software ab, sondern auch davon, wie sorgfältig Artikel in stark frequentierten Märkten gescannt und erfasst werden.
Für Kundinnen und Kunden wird sich Erfolg oder Misserfolg der Carrefour-Umgestaltung an einfachen Punkten messen lassen: weniger Fehler, kürzere Wartezeiten und Mitarbeitende, die weiterhin Zeit haben, von ihren Bildschirmen aufzusehen und Fragen zu beantworten. Auf diesen leisen, praktischen Fortschritt setzt der Händler.






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