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Trauben können die Hautreaktion auf Sonne verbessern

Frau sitzt am Tisch, isst rote Trauben, liest ein Buch, neben ihr steht eine Schale mit grünen und roten Trauben.
In diesem Artikel
  1. Trauben in der Hautforschung
  2. Frühere Studien zeigten Vorteile für die Haut
  3. Untersuchung menschlicher Haut nach Traubenkonsum
  4. Ergebnisse der Hautbiopsien
  5. Trauben verringern verborgene Hautschäden
  6. Gene reagieren unterschiedlich
  7. Die Hautbarriere wird stärker
  8. Auch Lipide verändern sich
  9. Stärkere Abwehrmechanismen der Haut
  10. Darmbakterien beeinflussen die Hautreaktion
  11. Weitere Studien sind erforderlich
  12. Ernährung kann die Hautgesundheit prägen

Jeden Sommer geben Ärztinnen, Ärzte und Hautexpertinnen und -experten dieselbe Warnung: Sonnencreme verwenden, die intensive Mittagssonne meiden und die Haut vor Schäden durch ultraviolette Strahlung schützen.

Die meisten Menschen kennen die Risiken. Dennoch betrachten viele Sonnenschutz vor allem als etwas, das man auf die Haut aufträgt, statt als einen Schutzmechanismus, der auch im Körper beeinflusst werden kann.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung ebenfalls mitbestimmen könnte, wie die Haut auf Sonnenlicht reagiert. Dabei rückt eine alltägliche Frucht verstärkt in den Fokus.

Eine neue Studie der Western New England University ergab, dass der Verzehr von Trauben die Reaktion menschlicher Haut auf Sonnenexposition verbessern könnte.

Die Forschenden stellten Veränderungen bei Genen fest, die mit Hautschutz und Reparaturprozessen zusammenhängen. Das liefert neue Hinweise darauf, wie Nahrung die Hautgesundheit beeinflussen kann.

Trauben in der Hautforschung

Trauben sind seit Jahren Gegenstand ernährungswissenschaftlicher Forschung, vor allem wegen Resveratrol, einer pflanzlichen Verbindung, die häufig mit gesundem Altern in Verbindung gebracht wird.

Frühe Untersuchungen weckten grosse Erwartungen an mögliche Wirkungen. Spätere Forschung zeigte jedoch, dass Resveratrol allein viele der ihm zugeschriebenen Versprechen nicht erfüllen konnte.

Daraufhin richtete sich der wissenschaftliche Blick von einem einzelnen Inhaltsstoff auf die ganze Traube.

Trauben enthalten Hunderte sekundäre Pflanzenstoffe, die möglicherweise auf eine Weise zusammenwirken, die isolierte Nahrungsergänzungsmittel nicht nachbilden können.

Frühere Studien zeigten Vorteile für die Haut

Frühere Untersuchungen an Mäusen ergaben, dass mit Trauben angereicherte Ernährung Hautschäden durch ultraviolette Strahlung verringerte und die Tumorentwicklung verlangsamte.

Spätere Studien am Menschen zeigten, dass manche Personen nach regelmässigem Traubenkonsum widerstandsfähiger gegenüber UV-Schäden wurden.

Unklar blieb jedoch, was bei Menschen geschah, die kaum sichtbare Verbesserungen zeigten. Hatten Trauben bei ihnen tatsächlich keine Wirkung, oder übersahen Forschende lediglich subtilere biologische Veränderungen?

Untersuchung menschlicher Haut nach Traubenkonsum

Um dieser Frage nachzugehen, konzipierte das Forschungsteam eine detaillierte klinische Studie mit 29 Freiwilligen. Zunächst hielten die Teilnehmenden zwei Wochen lang eine eingeschränkte Diät ein.

Danach nahmen sie über weitere zwei Wochen täglich die Menge von drei Portionen Trauben in Form von gefriergetrocknetem Pulver aus ganzen Trauben zu sich.

Die Forschenden bestimmten bei jeder Person die minimale Erythem-Dosis. Dieser Wert zeigt, wie viel ultraviolette Strahlung die Haut verträgt, bevor sie sich rötet.

Ergebnisse der Hautbiopsien

Vor und nach dem Traubenkonsum wurden zudem Hautbiopsien aus UV-bestrahlten und nicht bestrahlten Hautbereichen entnommen.

Obwohl mehr als 100 Hautproben gesammelt wurden, bestanden viele die Qualitätskontrollen für die RNA-Sequenzierung nicht.

Vollständige und verwertbare Daten lagen nur von vier Frauen vor. Sie hatten alle denselben Hauttyp und waren ursprünglich als Nichtansprecherinnen eingestuft worden, weil sich ihre Rötungsschwelle nicht erhöht hatte.

Trauben verringern verborgene Hautschäden

Den ersten Hinweis lieferten Messungen von Malondialdehyd, einem Marker für oxidativen Stress und Schäden an Zellmembranen nach UV-Exposition.

In der grösseren Gruppe der Teilnehmenden sanken die Malondialdehydwerte nach dem Traubenkonsum deutlich.

Auch bei den vier vermeintlichen Nichtansprecherinnen verringerte sich der oxidative Schaden.

Ihre Haut erhielt also weiterhin Schutz, obwohl der übliche Test auf Hautrötungen keine offensichtliche Verbesserung erkennen liess.

Dieses Ergebnis legt nahe, dass sichtbare Sonnenbrandreaktionen nicht das gesamte Geschehen im Hautgewebe abbilden.

Gene reagieren unterschiedlich

Die Ergebnisse der RNA-Sequenzierung zeigten enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Personen. Schon vor Beginn der Ernährungsintervention wies jede Teilnehmerin Hunderte individuell exprimierte Gene auf.

Nach dem Verzehr von Trauben und der UV-Exposition veränderte sich die Genaktivität bei jeder Person anders. Auf den ersten Blick wirkten die Daten chaotisch. Statistische Auswertungen zeigten nur geringe Überschneidungen zwischen den Teilnehmenden.

Die Forschenden hatten mit solchen Unterschieden jedoch gerechnet, da nutrigenomische Reaktionen häufig von Genetik, Darmmikrobiom, Alter, Ernährung und weiteren biologischen Faktoren abhängen.

Die Studie bestätigte dennoch einen wichtigen Punkt: Trauben veränderten die Genaktivität in menschlicher Haut.

„Wir sind nun sicher, dass Trauben als Superfood wirken und beim Menschen eine nutrigenomische Reaktion vermitteln“, sagte Dr. John Pezzuto, Professor an der Western New England University.

„Wir beobachteten dies am grössten Organ des Körpers, der Haut.“

Die Hautbarriere wird stärker

Als die Forschenden die Haut jeder Teilnehmerin vor und nach dem Traubenkonsum verglichen, zeichneten sich Muster ab. Bei drei der vier Frauen wurden Gene, die mit der Bildung der Hautbarriere verknüpft sind, aktiver.

Dazu gehörten Gene für Keratinisierung, Entwicklung der Epidermis und Verhornung. Diese Prozesse tragen alle zur Bildung der äusseren Schutzschicht der Haut bei.

Vereinfacht gesagt schienen Trauben die Haut dazu anzuregen, ihre physische Barriere gegen Umweltbelastungen zu verstärken.

Eine bessere Barrierefunktion hilft dem Körper, Feuchtigkeit zu bewahren und zugleich Schäden durch UV-Strahlung, Mikroben und Schadstoffe zu begrenzen.

Auch Lipide verändern sich

Bei einer Teilnehmerin zeigte sich ein anderes Reaktionsmuster, das sich auf den Lipidstoffwechsel konzentrierte. In ihren Hautproben nach dem Traubenkonsum war die Aktivität von Genen erhöht, die mit der Produktion von Fettsäuren und Lipidtröpfchen verbunden sind.

Früher gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass Lipidtröpfchen Fett in Zellen lediglich speichern. Heute gelten sie als aktive Strukturen, die Zellen vor Belastungen einschliesslich UV-Schäden schützen.

Blutanalysen zeigten bei allen vier Frauen zudem Veränderungen in den Lipidprofilen. Bestimmte Phospholipide nahmen deutlich zu, während gesättigte Fettsäuren abnahmen und ungesättigte Fettsäuren zunahmen.

Viele dieser Lipidveränderungen werden mit einer gesünderen Hautbarriere und geringeren Entzündungen in Zusammenhang gebracht.

Stärkere Abwehrmechanismen der Haut

Bei einer weiteren Teilnehmerin nahmen Gene zu, die mit antioxidativen Schutzmechanismen und antimikrobieller Aktivität verbunden sind.

Die Forschenden fanden eine erhöhte Expression von Genen, die für den Abbau von Wasserstoffperoxid und die Entgiftung oxidierender Stoffe zuständig sind.

Auch antimikrobielle Proteine wie Dermcidin nahmen nach dem Traubenkonsum zu. Dermcidin wird normalerweise über Schweissdrüsen abgesondert und hilft dabei, schädliche Bakterien auf der Haut zu zerstören.

Weitere Proteine, die die Hautbarriere stärken und die antibakterielle Abwehr unterstützen, wurden ebenfalls aktiver.

Jede Teilnehmerin erreichte über unterschiedliche biologische Wege ähnliche schützende Ergebnisse. Der Körper schien seine Reaktion an die jeweilige individuelle Biologie anzupassen.

Darmbakterien beeinflussen die Hautreaktion

Nach Ansicht der Forschenden könnte das Darmmikrobiom einen grossen Teil dieser Unterschiede erklären. Frühere Arbeiten derselben Forschungsgruppe hatten gezeigt, dass der Traubenkonsum die Zusammensetzung der Darmbakterien und die Produktion von Stoffwechselprodukten veränderte.

Die Theorie lautet, dass sekundäre Pflanzenstoffe aus Trauben mit Darmmikroben interagieren. Dabei entstehen Verbindungen, die über die Blutbahn zu weiter entfernten Organen wie der Haut gelangen und diese beeinflussen.

Da jeder Mensch ein einzigartiges Darmmikrobiom besitzt, verarbeitet auch jede Person Traubenbestandteile möglicherweise anders.

Das könnte erklären, warum Ernährungsstudien bei einzelnen Menschen häufig uneinheitliche Ergebnisse liefern.

Weitere Studien sind erforderlich

Die Studie weist wichtige Einschränkungen auf. Nur vier Frauen lieferten verwertbare Sequenzierungsdaten, und alle hatten einen ähnlichen Hauttyp sowie vergleichbare Hintergrundmerkmale.

Weiterführende Studien mit grösseren und vielfältigeren Gruppen sind daher notwendig. Die Forschenden betonen ausserdem, dass Trauben weder Sonnencreme noch sonnensicheres Verhalten ersetzen.

Bei der Intervention kam konzentriertes Traubenpulver zum Einsatz, das täglich mehreren Portionen Trauben entsprach, und nicht bloss gelegentliches Naschen.

Die Ergebnisse sind dennoch relevant, weil sie zeigen, dass ein gewöhnliches Lebensmittel messbare genetische Veränderungen im menschlichen Hautgewebe auslösen kann.

Ernährung kann die Hautgesundheit prägen

Die Resultate stützen die zunehmend vertretene wissenschaftliche Auffassung, dass Ernährung den Körper auf stark individualisierte Weise beeinflusst.

„Die Veränderungen der Genexpression deuteten auf Verbesserungen der Hautgesundheit hin. Doch über die Haut hinaus ist es nahezu sicher, dass der Verzehr von Trauben die Genexpression in anderen somatischen Geweben des Körpers beeinflusst, etwa in Leber, Muskeln, Nieren und sogar im Gehirn“, sagte Pezzuto.

Das Team erklärte, diese Forschung helfe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besser zu verstehen, wie vollwertige Lebensmittel wie Trauben die allgemeine Gesundheit beeinflussen können – insbesondere, weil moderne genetische Werkzeuge es ermöglichen, solche Veränderungen genauer nachzuverfolgen.

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Magdalena Huber

Magdalena Huber ist Kaffeeexpertin und Food-Autorin aus Wien mit besonderem Fokus auf österreichische Kaffeehauskultur, nachhaltigen Genuss und kreative Mehlspeisen. Für cafekonfetti schreibt sie über Spezialitätenkaffee, gemütliche Café-Momente und inspirierende Ideen rund um Kaffee, Kuchen und feine Alltagsfreuden.

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