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Eurac Research sucht Freiwillige für eine neue Höhenstudie auf 2.300 Metern in Südtirol

Junger Mann arbeitet mit Laptop und Smartwatch im alpinen Bergpanorama an Holztisch mit Notizbuch.
In diesem Artikel
  1. Ein Hochsommer im Hochgebirge: Das steckt hinter dem Angebot
  2. So gestaltet sich der Monat im Schutzhaus
  3. Wissenschaft statt Abenteuerurlaub: Warum die Höhenstudie interessant ist
  4. Wer sich bewerben kann und wer ausgeschlossen ist
  5. Leben in diesem Teil der Alpen
  6. Chancen, Risiken und praktische Fragen für Freiwillige

Zwischen Laptop, Laboruntersuchungen und Lärchenwäldern soll eine kleine Gruppe junger Erwachsener einen außergewöhnlichen Alltag verbringen: Sie arbeitet oder studiert wie gewohnt, allerdings auf 2.300 Metern Höhe mitten im Nationalpark. Dafür sucht ein Forschungszentrum in Südtirol Freiwillige – Bezahlung und Vollverpflegung eingeschlossen.

Ein Hochsommer im Hochgebirge: Das steckt hinter dem Angebot

Das renommierte Forschungszentrum Eurac Research in Bozen bereitet ein umfangreiches Projekt zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Höhe vor. Für eine neue Studienphase verlegt das Team seine Arbeit aus dem Labor ins Schutzhaus Nino Corsi im Südtiroler Nationalpark Stilfserjoch.

Zwölf ausgewählte Personen sollen dort einen ganzen Monat verbringen. Sie wohnen und schlafen im Bergrefugium, nehmen dort ihre Mahlzeiten ein und gehen ihrer Arbeit oder ihrem Studium nach. Gleichzeitig werden sie medizinisch begleitet.

Wer ausgewählt wird, lebt vier Wochen kostenlos in einer Berghütte auf 2.300 Metern und trägt dazu bei, die Auswirkungen der Höhe auf den Körper besser zu verstehen.

Das abgelegene Refugium ist von Felswänden und Lärchenwäldern umgeben und bietet Ausblick auf Gletscher. Dennoch gibt es einen Internetanschluss, damit die Teilnehmenden ihren gewohnten Alltag möglichst normal weiterführen können.

So gestaltet sich der Monat im Schutzhaus

An Menschen, die lediglich Urlaub machen möchten, richtet sich das Angebot ausdrücklich nicht. Die Forschenden untersuchen vielmehr, wie sich ein „normales“ Leben in einer ungewöhnlichen Umgebung auswirkt.

Arbeiten und studieren auf 2.300 Metern

Die Freiwilligen sollen ihren Alltag so weit wie möglich beibehalten:

  • Arbeit im Homeoffice am Laptop oder Studium über das Internet
  • regelmäßige Arbeits- beziehungsweise Lernzeiten
  • Kontakt zu Familie, Freunden und Kolleginnen über das Internet
  • Freizeit überwiegend draußen in der Berglandschaft

Zwischen Videogesprächen und E-Mails finden immer wieder Messungen statt. Erfasst werden Schlafqualität, Herzfrequenz, körperliche Aktivität, Ernährung und subjektives Wohlbefinden. So soll sich der Einfluss der Höhenlage von anderen Faktoren unterscheiden lassen.

Das Forschungsteam möchte beobachten, wie sich ein gewöhnlicher Büro- oder Studienalltag auswirkt, wenn der Körper ständig in dünnerer Luft arbeitet.

Bewerberinnen und Bewerber sollten sich daher nicht nur für die Aussicht begeistern, sondern auch für Termine mit dem Studienteam bereit sein. Dazu gehören Fragebögen, Kontrolluntersuchungen und gelegentlich auch Messungen in der Nacht.

Wissenschaft statt Abenteuerurlaub: Warum die Höhenstudie interessant ist

Die Höhe wirkt sich messbar auf den Körper aus. Vielen ist vor allem die „Kurzatmigkeit beim Wandern“ bekannt, doch bei längeren Aufenthalten verändert sich deutlich mehr:

  • Der Sauerstoffgehalt im Blut fällt anfangs deutlich ab.
  • Der Körper reagiert mit schnellerer Atmung und einem höheren Puls.
  • Die Produktion roter Blutkörperchen kann steigen.
  • Insbesondere in den ersten Tagen verändern sich die Schlafmuster.

Eurac Research möchte genau feststellen, wie stark diese Effekte ausfallen, wenn Menschen nicht bloß kurz zum Wandern kommen, sondern vier Wochen in der Höhe leben und sich ansonsten wie im Flachland verhalten.

Die Daten sind für folgende Bereiche und Personengruppen relevant:

  • die Medizin in Gebirgsregionen
  • Sportlerinnen und Sportler, die Höhentraining betreiben
  • Tourismuskonzepte im Alpenraum
  • Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, die einen Urlaub in der Höhe planen

Wer sich bewerben kann und wer ausgeschlossen ist

Damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben, gelten klare Auswahlkriterien. Gesucht werden Personen, die:

  • zwischen 18 und 40 Jahre alt sind
  • derzeit auf Meereshöhe und damit nicht ohnehin in den Bergen leben
  • körperlich in guter Verfassung sind
  • sich regelmäßig untersuchen lassen möchten

Von der Teilnahme ausgeschlossen sind:

  • Raucherinnen und Raucher
  • Leistungssportler, die bereits an Höhentraining gewöhnt sind
  • Menschen mit bekannten Herz- oder Lungenerkrankungen oder schweren Stoffwechselerkrankungen

Das Forschungsteam sucht vor allem gesunde Erwachsene mit durchschnittlichem Aktivitätsniveau, die bislang kaum Erfahrung mit der Höhe haben. Dadurch sollen sich Veränderungen besser messen lassen.

Geld, Kost und Logis: Das erhalten die Freiwilligen

Die Miete für ihre Wohnung zu Hause müssen die ausgewählten Personen weiterhin zahlen. In den Alpen entstehen ihnen jedoch keine Kosten. Das Angebot beinhaltet:

  • eine kostenlose Unterkunft im Schutzhaus Nino Corsi
  • Verpflegung für die gesamte Dauer des Aufenthalts
  • eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro

Zum kostenlosen Aufenthalt kommen 400 Euro hinzu. Der Betrag ist überschaubar, setzt aber ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zeit vor Ort als echte Mitarbeit an einem Projekt gilt.

Reich wird man durch die Entschädigung nicht. Allerdings fallen die üblichen Alltagskosten vor Ort weg – besonders günstig für Menschen, die ohnehin ortsunabhängig arbeiten.

Leben in diesem Teil der Alpen

Der Nationalpark Stilfserjoch gehört zu den größten Schutzgebieten der Alpen. Ein Monat dort bietet mehr als eine schöne Aussicht.

Rund um das Schutzhaus prägen unter anderem folgende Eindrücke die Umgebung:

  • Pinien- und Lärchenwälder direkt vor der Tür
  • Gletscher und hochalpine Gipfel in Sichtweite
  • Bäche, Wasserfälle und kleine Bergseen
  • mit etwas Glück Murmeltiere, Steinböcke und Adler in freier Wildbahn

In der weiteren Umgebung laden Orte wie Meran und Bozen mit ihren Altstädten, Kaffeehäusern und der Südtiroler Küche ein. Dort treffen italienische und alpine Kultur aufeinander. Wer nach dem Monat am Berg noch bleibt, kann das Tal auf eigene Faust erkunden.

Zwischen Ruhe und Reizüberflutung: Psychische Auswirkungen der Berge

Viele Menschen berichten, dass längere Aufenthalte im Hochgebirge ihr Stressempfinden verändern. Weniger Lärm, ein klar gegliederter Tagesablauf und viel Zeit im Freien können den Kopf freier machen. Die ungewohnte Umgebung bringt für manche aber auch mentale Herausforderungen mit sich: Abgeschiedenheit, eine stärkere Wahrnehmung des eigenen Körpers und eine anfangs schwankende Leistungsfähigkeit.

Gerade das Zusammenspiel von Ruhe und Belastung interessiert die Forschenden. Wie beeinflusst der ständige Blick auf Gipfel, Schnee und Felsen die Konzentration, den Schlaf und die Stimmung, wenn gleichzeitig Abgabetermine oder Prüfungen anstehen?

Chancen, Risiken und praktische Fragen für Freiwillige

Wer ernsthaft über die Teilnahme an einem solchen Projekt nachdenkt, sollte einige Aspekte berücksichtigen:

  • Höhenanpassung: In den ersten Tagen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und schlechter Schlaf möglich.
  • Körperliche Belastung: Bereits ein kurzer Anstieg kann sich wesentlich anstrengender anfühlen als im Flachland.
  • Soziale Situation: Einen Monat lang lebt man mit einer kleinen Gruppe auf engem Raum zusammen. Konflikte lassen sich nicht einfach „wegscrollen“.
  • Arbeitsalltag: Internet ist vorhanden, die Verbindung kann im Hochgebirge aber gelegentlich schwanken. Wer ständig an Videokonferenzen teilnimmt, sollte das vorher mit dem Arbeitgeber klären.

Dem stehen deutliche Vorteile gegenüber:

  • ein stark strukturierter Tagesablauf durch Messungen und feste Essenszeiten
  • viel Bewegung an der frischen Luft, meist ohne Fitnessstudio
  • eine Pause vom Großstadtlärm, ohne Arbeit oder Studium unterbrechen zu müssen
  • die Gelegenheit, an einer echten wissenschaftlichen Untersuchung mitzuwirken

Für Menschen, die ohnehin länger in höheren Lagen leben oder öfter in die Berge fahren möchten, bietet das Projekt eine Art „Testlauf“ unter kontrollierten Bedingungen und mit ärztlicher Begleitung. Die eigenen Erfahrungen vermitteln zugleich ein persönliches Bild davon, wie der Körper auf die Höhe reagiert.

Für Interessierte an Medizin, Umwelt, Leben im Freien oder neuen Arbeitsmodellen ist ein solches Projekt weit mehr als ein Gratisaufenthalt: Es kann der Anfang neuer Gewohnheiten sein – oder zur klaren Erkenntnis führen, dass man den eigenen Alltag auf Meereshöhe eigentlich sehr schätzt.

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Magdalena Huber

Magdalena Huber ist Kaffeeexpertin und Food-Autorin aus Wien mit besonderem Fokus auf österreichische Kaffeehauskultur, nachhaltigen Genuss und kreative Mehlspeisen. Für cafekonfetti schreibt sie über Spezialitätenkaffee, gemütliche Café-Momente und inspirierende Ideen rund um Kaffee, Kuchen und feine Alltagsfreuden.

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