Lidl stellt sein Bonusprogramm in Frankreich umfassend um: Neben digitalen Rabattcoupons gibt es in der App nun eine eigene Punktesammelkasse. Für jeden ausgegebenen Euro wird dem Konto ein Punkt gutgeschrieben. Die einfache Regel ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft, die darüber mitentscheiden, ob sich das Angebot für Stammkundinnen und Stammkunden tatsächlich auszahlt.
Was Lidl am Treueprogramm ändert
In Frankreich ist die App Lidl Plus seit Ende 2021 verfügbar. Bisher standen dort personalisierte Coupons, Wochenangebote, Rezepte und kleine Spiele im Mittelpunkt. Mit den sogenannten „Points Lidl“ erhält das Programm eine weitere Funktion: eine digitale Sammelkasse, die Einkäufe erfasst und in Punkte umrechnet.
Nach der neuen Regel bringt 1 Euro Einkaufswert 1 Punkt, wobei der Betrag auf den vollen Euro aufgerundet wird.
Wer etwa um 13,08 Euro einkauft, bekommt somit nicht 13, sondern 14 Punkte. Der Betrag auf dem Kassenbon wird stets auf den nächsten vollen Euro aufgerundet. Der Vorteil wirkt klein, kann Vielkäuferinnen und Vielkäufern übers Jahr aber einige zusätzliche Punkte einbringen.
Entscheidend ist: Derzeit gilt die Änderung nur in Lidl-Filialen in Frankreich. Außerdem muss an der Kassa die digitale Kundenkarte aus der App gescannt werden. Ohne Scan gibt es keine Punkte; eine spätere Gutschrift ist nicht vorgesehen.
So arbeitet die Punkte-Sammelkasse von Lidl
Bei jedem Einkauf mit gescannter Lidl-Plus-App steigt der Punktestand automatisch. Die Punkte erscheinen allerdings nicht unmittelbar, sondern innerhalb von höchstens 48 Stunden in der App. Dort können Kundinnen und Kunden ihren aktuellen Kontostand einsehen und die Punkte für Prämien einsetzen.
Die wichtigsten Regeln im Überblick:
- 1 Euro Umsatz in der Filiale entspricht 1 Punkt.
- Der Betrag auf dem Kassenbon wird auf den nächsten vollen Euro aufgerundet.
- Die Punkte werden innerhalb von 48 Stunden gutgeschrieben.
- Punkte bleiben 24 Monate gültig.
- Bei Rückgaben werden die zugehörigen Punkte wieder abgezogen.
Nicht alle Käufe werden berücksichtigt: Gutscheinkarten bringen keine Punkte. Auch der Online-Shop ist ausgenommen, sofern nicht eine besondere Aktion etwas anderes vorsieht. Im Mittelpunkt stehen damit die Filialen und die App als zentrales Werkzeug.
Von Lidl-Punkten zu Rabatten und Ersparnissen
Gesammelte Punkte werden zunächst in der digitalen Kasse gespeichert. Über die App können sie anschließend gegen Belohnungscoupons eingetauscht werden. Das Angebot reicht von Sofortrabatten und vergünstigten Produkten bis zu Gratisartikeln. Lidl möchte eigenen Angaben zufolge rund 300 unterschiedliche Belohnungen anbieten, jede mit einem eigenen Punktewert.
Nach dem Umwandeln von Punkten in einen Coupon bleiben sieben Tage, um ihn in der Filiale einzulösen.
Diese 7-Tage-Frist ist wichtig: Wer in der App spontan einen Coupon aktiviert, in der darauffolgenden Woche aber nicht einkaufen geht, verliert den betreffenden Vorteil wieder. Punkte allein reichen also nicht aus; auch der Zeitpunkt der Einlösung bestimmt, welchen Nutzen sie bringen.
Zum Start des neuen Systems erhalten Kundinnen und Kunden von Lidl in Frankreich einmalig 50 Willkommenspunkte. So lässt sich der Tausch gegen Rabatte gleich ausprobieren, ohne vorher lange Punkte sammeln zu müssen.
Welche Kundengruppen besonders profitieren
Vor allem für Menschen mit regelmäßigen, gut planbaren Einkäufen ist das neue System vorteilhaft. Ein Haushalt, der jede Woche einen größeren Einkauf erledigt, sammelt kontinuierlich Punkte und kann sie gezielt für Produkte einsetzen, die ohnehin im Einkaufswagen landen.
Gelegenheitseinkäuferinnen und -einkäufer müssen hingegen vorausschauender handeln. Wer nur alle paar Wochen eine Filiale besucht, hat zwar ausreichend Zeit zum Sammeln, kann Coupons wegen ihrer kurzen Gültigkeit aber weniger leicht spontan einlösen. Für diese Kundengruppe lohnt sich die Umwandlung deshalb nur kurz vor einem geplanten Großeinkauf.
So lässt sich das Lidl-System optimal nutzen
Damit das Punktesammeln zu tatsächlichen Ersparnissen führt, helfen einige Gewohnheiten. Praktische Strategien sind:
- Karte immer scannen: Ohne QR-Code gibt es keinen Punkt. Das wirkt selbstverständlich, ist in der Praxis aber der häufigste Fehler.
- Großeinkäufe bündeln: Wer größere Einkäufe gezielt plant, erreicht schneller einen hohen Punktestand.
- Punktestand prüfen: Vor dem Wocheneinkauf empfiehlt sich ein Blick in die App, um geeignete Belohnungen auszuwählen.
- Coupons rasch einlösen: Punkte erst kurz vor einem fest geplanten Einkauf umwandeln, damit die 7-Tage-Frist nicht verstreicht.
- Auf Aktionen achten: Bei besonderen Punkteaktionen kann sich der Einkauf an bestimmten Tagen stärker auszahlen.
Wer diese einfachen Regeln beachtet, kann den Preis seines Warenkorbs spürbar senken – insbesondere, wenn regelmäßig Produkte gewählt werden, die ohnehin auf der Einkaufsliste stehen. Bei spontanen „Gratisartikeln“, die eigentlich nicht gebraucht werden, kann der vermeintliche Vorteil dagegen schnell verpuffen.
Wie sehr entlastet das neue System das Haushaltsbudget?
Wie viel ein typischer Haushalt durch die Umstellung spart, hängt wesentlich vom Einkaufsverhalten ab. Flexibilität bieten jedenfalls die Aufrundung auf den nächsten Euro, die lange Gültigkeit der Punkte und die freie Wahl aus zahlreichen Prämien.
Dem stehen Einschränkungen gegenüber: Ohne Smartphone gibt es keine Punkte, im Online-Shop lässt sich nicht sammeln und für Coupons gilt die strenge 7-Tage-Grenze. Wer die App nur selten öffnet oder Benachrichtigungen ausgeschaltet hat, lässt Vorteile leicht verfallen.
| Vorteil | Mögliche Schattenseite |
|---|---|
| Einfache Regel: 1 Euro = 1 Punkt | Keine nachträgliche Gutschrift bei vergessenem Scan |
| Aufrundung auf den vollen Euro | Nützt vor allem bei größeren Bons, nicht bei Kleinstkäufen |
| Punkte sind 24 Monate gültig | Umgewandelte Coupons sind nur 7 Tage verwendbar |
| Rund 300 verschiedene Belohnungen | Nur über die App steuerbar, nichts für Technikmuffel |
Für Haushalte mit knappem Budget kann das Programm helfen, die Lebensmittelkosten etwas zu senken, sofern sie diszipliniert vorgehen. Wer schon jetzt regelmäßig Preise vergleicht, Prospekte liest und Eigenmarken kauft, kann die Punkte als zusätzlichen Baustein nutzen.
Digitaler Zwang: Ohne Smartphone geht nichts
Ein Punkt fällt besonders auf: Das gesamte System funktioniert digital. Ohne Smartphone und installierte App ist das Bonusprogramm praktisch nicht nutzbar. Weder gibt es eine Plastikkarte für die Kassa noch einen ausgedruckten Punktestand.
Für die Handelskette bringt das klare Vorteile: weniger Verwaltungsaufwand, direkte Kommunikation über Push-Nachrichten und eine detaillierte Auswertung des Einkaufsverhaltens. Für ältere Kundinnen und Kunden sowie Menschen, die bewusst ohne Smartphone leben, wird die Teilnahme am Treueprogramm dadurch jedoch unattraktiv oder schlicht unmöglich.
Familien können das Problem teilweise umgehen, indem ein Mitglied die App verwendet und sämtliche Einkäufe über ein Konto abgewickelt werden. Das verlangt allerdings Organisation: Jede Person, die einkaufen geht, muss auf den QR-Code zugreifen können.
Was Kundinnen und Kunden in Österreich daraus mitnehmen können
Auch wenn die Änderung derzeit Frankreich betrifft, zeigt sie, in welche Richtung große Diskonter beim Thema Kundentreue denken: weg vom einfachen Papiercoupon und hin zu datengetriebenen, flexiblen Punktesystemen in der App. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Komplexität.
Wer an solchen Programmen teilnimmt, sollte einige Punkte beachten:
- Nur Vorteile nutzen, die zu ohnehin geplanten Einkäufen passen.
- Benachrichtigungen eingeschaltet lassen, um keine Fristen zu versäumen.
- Den Überblick bewahren, damit Punkte nicht unbemerkt verfallen.
- Datenschutzfragen selbst abwägen: Wie viel Einblick in das eigene Kaufverhalten ist akzeptabel?
Letztlich bestimmt das persönliche Einkaufsverhalten den Nutzen. Wer strukturiert plant, konsequent scannt und Angebote überlegt einsetzt, kann das neue Punktesystem gut für sich nutzen. Wer spontan einkauft und sich nur ungern mit Apps beschäftigt, bleibt in einem Bonusprogramm, das mehr Daten als echte Ersparnis liefert, eher Statist.






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen