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133 Krapfen von Lidl im Ofen: Marek Hoffmanns Experiment zur Energiekrise

Junger Mann sitzt vor Holzofen und hält Krapfen, davor Schachtel mit Krapfen und Lidl Einkaufstasche.
In diesem Artikel
  1. 133 Krapfen von Lidl im Ofen: Was hinter der Aktion steckt
  2. Energiegehalt im Faktencheck: Fettgebäck liegt knapp vor Holzbriketts
  3. Wenn Heizen zur moralischen Frage wird: Darf man Essen verbrennen?
  4. Energiekrise in Polen: Weshalb Menschen nach Alternativen suchen
  5. Warum Fett so gut brennt – und was das über unser Essen verrät
  6. Was sich aus der Aktion lernen lässt – abseits des Show-Effekts

Angesichts steigender Energiepreise in Europa testet ein polnischer YouTuber eine ebenso absurde wie ernst gemeinte Heizalternative. In seinem Ofen landen nicht Holzpellets oder Briketts, sondern kiloweise Fettgebäck aus dem Diskonter. Hinter dem vermeintlichen Internet-Scherz steckt ein überraschend aufwendiger Versuch mit einer klaren Aussage zur Energiekrise.

133 Krapfen von Lidl im Ofen: Was hinter der Aktion steckt

Marek Hoffmann, online als „AdBuster“ bekannt, wollte herausfinden, ob sich Heizkosten mit einem völlig ungewöhnlichen Brennstoff senken lassen. Den Anstoss gab ein Blick auf die Sonderangebote vor dem traditionellen „Fetten Donnerstag“ in Polen – einem Tag, an dem süsses Fettgebäck besonders gefragt ist.

Kurz vor dem Feiertag werden diese Backwaren in vielen Supermärkten massiv verbilligt. Hoffmann stellte fest, dass das Gebäck je Kilogramm günstiger war als die Holzpellets, mit denen zahlreiche Menschen in Polen ihre Öfen beheizen. Aus dieser Beobachtung entwickelte sich die Idee, die er in einem YouTube-Video festhielt.

Für den Versuch besorgte er:

  • 133 Stück Fettgebäck bei Lidl
  • Gesamtgewicht: 10 Kilogramm
  • Gesamtpreis: 2,85 Euro
  • Stückpreis: rund zwei Cent

Der Preis pro Kilogramm lag damit klar unter jenem von Pellets. Für Hoffmann lag die Überlegung nahe: Falls das Gebäck auch nur einigermassen gut brennt, könnte es – zumindest bei solchen Preisaktionen – theoretisch als günstigerer Brennstoff dienen.

Lebensmittel als Brennstoff: wirtschaftlich reizvoll, moralisch fragwürdig – und technisch überraschend effektiv.

Energiegehalt im Faktencheck: Fettgebäck liegt knapp vor Holzbriketts

Damit der Versuch nicht bei einer verrückten Show bleibt, präsentierte Hoffmann konkrete Werte. Bei einem Brennstoff zählt schliesslich nicht sein Volumen, sondern der Heiz- beziehungsweise Brennwert, also die Energiemenge pro Kilogramm.

Die für das Experiment verwendeten Daten ergeben folgenden Vergleich:

Brennstoff Energiegehalt (pro kg)
Fettgebäck ca. 18,5 Megajoule
Holzbriketts ca. 18,27 Megajoule

Damit erreicht Fettgebäck einen geringfügig höheren Energiegehalt als Holzbriketts. Das ist wenig überraschend, denn der Teig enthält grosse Mengen Fett und Zucker, die beide erheblich zur Heizleistung beitragen. Chemisch betrachtet ähneln die Backwaren eher einer Kombination aus Öl und Kohlenhydraten als gewöhnlichem Brot.

So verlief die Verbrennung im Gusseisenofen

Für den Test verwendete Hoffmann einen schweren Gusseisenofen. Er legte das Fettgebäck hinein und entzündete es wie einen herkömmlichen Brennstoff. Das Resultat überraschte offenbar auch ihn selbst.

  • Die Ofentemperatur kletterte rasch auf mehrere Hundert Grad Celsius.
  • Der Verbrennungsvorgang dauerte beinahe fünf Stunden.
  • Durch Öl und Zucker glühte und brannte das Fettgebäck gleichmässig vor sich hin.

Die erzeugte Wärme genügte, um den Ofen über längere Zeit auf Temperatur zu halten. Dabei verbrannten die Backwaren vollständig, ohne dass laufend nachgelegt werden musste. Rein technisch betrachtet funktionierte der Versuch somit erstaunlich gut.

Fünf Stunden Wärme aus 2,85 Euro Fettgebäck – ökonomisch wirkt das verführerisch, energetisch ist es durchaus stimmig.

Wenn Heizen zur moralischen Frage wird: Darf man Essen verbrennen?

Trotz des verblüffenden Ergebnisses hinterliess der Test bei Hoffmann einen bitteren Beigeschmack. Schliesslich verbrannte er keinen Abfall, sondern grundsätzlich essbare Lebensmittel, auch wenn diese stark reduziert angeboten worden waren. In seinem Video spricht er offen über dieses moralische Dilemma.

Im Zentrum steht die Frage, ob es vertretbar ist, Lebensmittel zu verheizen, nur weil sie weniger kosten als klassischer Brennstoff. Gerade weil weltweit Millionen Menschen keinen verlässlichen Zugang zu Nahrung haben, erscheint vielen der Einsatz von Essen im Ofen befremdlich.

Genau diesen Widerspruch rückt Hoffmann in den Fokus: Er demonstriert, was geschieht, wenn ein absurdes Preissignal dazu führt, dass Kalorien für den Teller teurer wirken als Kalorien für den Ofen. Seine Aktion versteht sich daher weniger als Anleitung zum Nachmachen denn als provokanter Kommentar zur Energie- und Lebensmittelpolitik.

Energiekrise in Polen: Weshalb Menschen nach Alternativen suchen

Der Hintergrund dieses Versuchs ist alles andere als unterhaltsam. Polen ist von den gestiegenen Energiepreisen stark betroffen. Viele Haushalte heizen mit Holz, Kohle oder Pellets. Steigen die Kosten, bleibt besonders in ländlichen Regionen kaum finanzieller Spielraum.

In den vergangenen Wintern wurde bereits darüber berichtet, dass manche Familien auf ungewöhnliche Brennstoffe ausweichen, etwa:

  • Hafer oder andere Getreidesorten
  • Maiskolben oder -schrot
  • alte oder beschädigte Lebensmittelreste

Der Test mit Fettgebäck fügt sich in diese Entwicklung ein. Er macht sichtbar, wie gross der Druck geworden ist, alternative Wärmequellen aufzutreiben – selbst dann, wenn sie nur kurzfristig helfen oder fragwürdig wirken.

Grenzen und Risiken solcher Versuche

So eindrucksvoll die Aufnahmen im Video auch erscheinen mögen, die Risiken sind eindeutig. Wer ohne Fachwissen mit ungewöhnlichen Brennstoffen experimentiert, setzt sich erheblichen Gefahren aus:

  • Starke Rauch- und Russbildung: Fette und Zucker können klebrige Rückstände im Ofen oder Kamin verursachen.
  • Brandgefahr: Ölhaltige Lebensmittel können unkontrolliert aufflammen.
  • Schadstoffe: Bei einer falschen Verbrennungstemperatur können giftige Gase entstehen.
  • Versicherung: Schäden durch nicht zugelassene Brennstoffe sind häufig nicht versichert.

Fachleute raten deshalb ausdrücklich davon ab, Öfen mit Brennstoffen zu betreiben, für die sie keine Zulassung haben. Experimente wie dieses gehören eher in eine kontrollierte Testsituation als in den Heizalltag eines Eigenheims.

Warum Fett so gut brennt – und was das über unser Essen verrät

Physikalisch ist das Resultat kaum überraschend. Fette und Öle verfügen über eine besonders hohe Energiedichte. Ein Kilogramm reines Speisefett kann mehr als doppelt so viel Energie liefern wie ein Kilogramm trockenes Holz.

Fettgebäck enthält:

  • grosse Mengen Pflanzenöl oder Fett
  • Zucker, der ebenfalls gut brennt
  • Mehl als Trägerstoff

Diese hohe Energiedichte erklärt, weshalb solche Produkte einerseits besonders viele Kalorien liefern und andererseits im Ofen erstaunlich leistungsfähig sind. Der Versuch verdeutlicht damit indirekt auch, warum stark frittiertes Gebäck für die Figur so problematisch sein kann: Was im Ofen fünf Stunden Wärme erzeugt, bleibt auch für den Körper nicht folgenlos.

Was sich aus der Aktion lernen lässt – abseits des Show-Effekts

Hoffmanns Aktion kann zwar als Internet-Gag abgetan werden, legt aber mehrere Schwachstellen offen. Einerseits zeigt sie, wie verzerrt Preisstrukturen sein können. Wenn Fettgebäck, das aufwendig hergestellt, verpackt und transportiert wird, weniger kostet als einfacher Brennstoff, passen die wirtschaftlichen Anreize nicht zusammen.

Andererseits verweist die Idee auf ein grundsätzliches Problem in Krisenzeiten: Menschen greifen zwangsläufig auf das zurück, was kurzfristig funktioniert, selbst wenn es langfristig keine Lösung ist. Wer zwischen einer zu kalten Wohnung und dem Verbrennen überschüssiger Lebensmittel wählen muss, entscheidet sich im Zweifel für Wärme statt für Prinzipien.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher die offiziellen Energieangaben unterschiedlicher Brennstoffe genau prüfen, anstatt nur auf den Sackpreis im Baumarkt zu achten. Entscheidend sind:

  • Preis pro Kilogramm
  • Energiegehalt pro Kilogramm
  • Kompatibilität mit der eigenen Heizanlage
  • Zulassung und Sicherheit

Wer effizient und verantwortungsvoll heizen möchte, kommt an dieser Rechnung nicht vorbei. Der Versuch mit den 10 Kilogramm Fettgebäck zeigt drastisch, wie gross das Bedürfnis nach günstiger Wärme geworden ist – und wie nahe wirtschaftliche Verzweiflung und moralische Grenzen manchmal beieinanderliegen.

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Magdalena Huber

Magdalena Huber ist Kaffeeexpertin und Food-Autorin aus Wien mit besonderem Fokus auf österreichische Kaffeehauskultur, nachhaltigen Genuss und kreative Mehlspeisen. Für cafekonfetti schreibt sie über Spezialitätenkaffee, gemütliche Café-Momente und inspirierende Ideen rund um Kaffee, Kuchen und feine Alltagsfreuden.

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